ÄLTERE BAUEN MIT JÜNGEREN BRÜCKEN FÜR EUROPA

 

 

Ein Beitrag der GEFAS STEIERMARK für das Projekt

„Ältere bauen gemeinsam mit Jüngeren Brücken für Europa“

 

Das Projekt „Ältere bauen gemeinsam mit Jüngeren Brücken für Europa“ war für die GEFAS STEIERMARK Gesellschaft für Aktives Altern und Solidarität der Generationen – der Initialzünder, um Aktivitäten zu starten, die junge Menschen unterschiedlicher Herkunft mit Senioren_innen unseres Vereins zusammenbringen und unsere Erfahrung mit Generationengesprächen auf einer neuen thematischen sowie partnerschaftlichen Ebene wieder zu beleben.

Für unser Projekt bauten wir eine Kooperation mit dem Direktor Herrn Grabner und der Begleitlehrerin Frau Bernzen von der „Neuen Mittelschule (NMS) Fröbel“ auf. Die NMS ist eine Weiterentwicklung der vormaligen Hauptschule (Schule für Schüler_innen vom 10ten bis zum 14ten Lebensjahr) in Österreich, wo verstärkt auf Teamteaching und individuelleren Unterricht wertgelegt wird.

In der NMS-Fröbel war und ist der Anteil an Schüler_innen mit Flucht- und Migrationshintergrund sehr hoch. In diesem Zusammenhang könnte man von „nomen est omen“ sprechen, da doch Friedrich Wilhelm August Fröbel neue Tools für die Pädagogik entwickelt hat und auch wir etwas Neues in den Schulalltag der ausgewählten Klassen einbringen wollten.

Generationengespräche

Im Vorfeld zu den Generationengesprächen trafen sich interessierte GEFAS STEIERMARK Mitglieder in einer Arbeitsgruppe zur Abstimmung der operativen Umsetzung in der Schule. Dabei wurden Methoden besprochen sowie ein Projektplan erarbeitet.

Der thematische Schwerpunkt der Generationengespräche wurde gemeinsam mit den Pädagogen_innen auf das Thema „Vorbereitung zur Berufswahl“ festgelegt.

Ein vorrangiges Ziel war es, durch die Erfahrungen unserer Vereinsmitglieder den jungen Menschen ein Bild der Berufs- und Arbeitswelt in Österreich von gestern und heute zu vermitteln. Durch die Vielfalt an Wissen innerhalb der Projektgruppe der GEFAS STEIERMARK standen Erfahrungsberichte aus unterschiedlichen Berufen zur Verfügung. Diese Berichte halfen den jungen Menschen ein realistisches Bild in Bezug auf ihre schulische und berufliche Bildung zu gewinnen. Gleichzeitig lernten die Jugendlichen ihre persönlichen Kompetenzen zu erarbeiten und zu definieren.

Die Zielsetzungen der durchgeführten Workshop - Einheiten waren:

  • Vermittlung von Wissen über die Berufsvielfalt,
  • Beschreibung der unterschiedlichen Arbeitsbereiche,
  • Vermittlung der nötigen Voraussetzungen für eine Berufsausbildung
  • Arbeitsalltägliche Anforderungen an den österreichischen Arbeitsmarkt.

 

Durchführung der Generationengespräche

Im Startworkshop an der Schule stand das gegenseitige Kennenlernen zwischen Älteren und Jüngeren im Vordergrund, welches anhand von Übungen, und Erzählungen in Gesprächen über die Berufswelt in Kleingruppen geschah. Jedes GEFAS STEIERMARK Mitglied betreute maximal 3 Jugendliche.

In den weiteren Workshops standen die Interessen und Kompetenzen der Schüler_innen, vorwiegend mit Fluchthintergrund, und die deutsche Sprache im Mittelpunkt. Dies setzte eine Vertrauensbasis zwischen Jung und Alt voraus - der Grundstein für ein erfolgreiches wechselseitiges generationsübergreifendes Lernen.

Als Material für die gemeinsamen Gespräche mit den Jugendlichen wurden Arbeitsblätter zu Berufen und fiktive Dialoge aus dem Arbeitsalltag verwendet. Diese Arbeitsblätter wurden auf Basis der beruflichen Erfahrungen der GEFAS STEIERMARK Mitglieder und den Vorstellungen der Jugendlichen erarbeitet, so z.B. Frisör_in, Mechaniker_in. Die Unterlagen bauten sprachliche Barrieren ab und ließen einen Kommunikationsfluss zwischen den Gesprächspartnern_innen zu. Die Kinder lernten über ihre Stärken und ihre Berufsinteressen frei zu sprechen und arbeiteten unterschiedliche Selbst-Präsentationen aus, die im Plenum präsentiert wurden.

In dieser Phase war es erfreulich, dass sich die jungen Menschen öffneten und auch über sich erzählten. So stellte u.a. ein Schüler seine grafischen Arbeiten vor, die noch während der Projektzeit in einem Grazer Cafe ausgestellt wurden.

 

Der Abschluss der Workshops war das gemeinsame Bauen von Papierbrücken. Die Freude am gemeinsamen Tun stand im Vordergrund. Eine absolut schlanke und sehr tragfähige Brücke wurde von einer Mädchengruppe gebaut. Das dünn gerollte, gedoppelte Grundmaterial war sichtlich was für geduldige Hände.

 

Fakten/Fact sheet

  • Es fanden drei zweistündige Workshops an der NMS Fröbel zum Thema Berufswelt statt: Am ersten Workshop im Jänner 2016 nahmen 37 Schüler_innen aus zwei Klassen der 8. Schulstufe (für den Abschluss der Pflichtschule müssen in Österreich 9 Schuljahre absolviert werden) teil. Am zweiten und dritten Workshop im Mai und Juni 2016 nahmen jeweils 15 Schüler_innen der zweiten und dritten Klasse teil. Diese Schulgruppe bestand aus Kindern mit Flüchtlingshintergrund die noch erheblichen Schwierigkeiten im Umgang mit der deutschen Sprache hatten.
  • In einem vierten Workshop an der NMS Fröbel im Juni 2016 wurden mit 15 Schüler_innen der 2. und 3. Klasse Papierbrücken gebaut. Es entstanden fünf Brücken in unterschiedlichen Größen und Bauweisen. Sie hielten einer Belastung von bis zu 12 kg stand. Die größte Papierbrücke war 40 cm lang und 25 cm breit.

·        Vier Pädagogen_innen begleiteten das Projekt.

·        Fünfzehn Mitglieder der GEFAS STEIERMARK haben mitgearbeitet. Die Palette der eingebrachten Berufe war vielfältig: Beraterin, Bürokauffrau, Butler, Drogeriekauffrau, Friseurin, Kellnerin, Lehrerin, Schneiderin, Sekretärin, Studentin, Technikerin und Mathematikerin, und hat auch gezeigt, dass viele unserer Mitglieder ein breit gefächertes Wissen mitbrachten.

·        Im Rahmen der Generationengespräche wurden spezielle Unterrichtsmaterialien erarbeitet. Diese stehen auch im Zusammenhang mit den Zeitzeug_innenberichten und wurden Pädagogen_innen und anderen Seniorengruppen zur Verfügung gestellt.

 

Nutzen für Alt und Jung

Die Zusammenarbeit von Jung und Alt, die ausgetauschten Geschichten sowie das Kommunizieren zwischen den Generationen mit ihrer Kulturvielfalt war dies für alle eine umfassende Lernerfahrung.

Der wesentliche Nutzen, den die jungen Menschen aus der gemeinsamen Projektarbeit mitnehmen konnten, war eine Steigerung des Selbstbewusstseins und des Selbstwerts, sowie ein erheblicher Fortschritt im Spracherwerb, dem Anwenden der deutschen Sprache und der Erweiterung des Wortschatzes. Durch die aktive Mitarbeit der Pädogogen_innen und den Einsatz unterschiedlicher Methoden war es möglich, rasch eine Vertrauensbasis zwischen den Schüler_innen und den älteren Personen herzustellen. Dadurch konnte der Grundstein für ein erfolgreiches wechselseitiges generationsübergreifendes Lernen gelegt werden.

Die Mitglieder der GEFAS STEIERMARK haben viele kleinere sowie größere Freuden und Probleme der Flüchtlingsfamilien hier in unserem Land kennengelernt. Dadurch sind auch kleine Seilschaften zwischen Alt und Jung entstanden.

 

Besondere/Persönliche Ergebnisse aus den Generationengesprächen:

Durch die Arbeit der GEFAS STEIERMARK mit den Schülern_innen sind ein Mentoring und eine Lernpatenschaft entstanden.

So konnte Inge ihrem Schützling dabei helfen, sich für einen Beruf zu entscheiden. Im Beisein seiner Eltern konnten sie den ersten Kontakt mit einer Firma für eine mögliche Lehrstelle aufbauen.

Elfriede hat mit einer Schülerin von der Fröbelschule intensiv in allen Unterrichtsfächern gelernt, damit Lana ihr Ziel, die Schule erfolgreich abzuschließen, erreichen kann. Ein zweites großes Ziel war es, die Voraussetzungen für eine Höhere Schule zu erfüllen um in fernerer Zukunft ein Studium zu beginnen.


 

Zusammenfassung in englischer Sprache

Old and Young Building Bridges for Europe - Intergenerational Talks

During the project "Old and Young Building Bridges for Europe" GEFAS STEIERMARK- Gesellschaft für aktives Altern und Solidarität der Generationen (Society for Active Ageing and Solidarity between Generations) decided to start the Intergenerational Talks at the New Middle School Fröbel in Graz, where a big percentage of all students has a different first language than German and a foreign cultural background. A group of 15 members of GEFAS STEIERMARK visited two classes for four workshops, where in total about 35 students at the age of 10 to 16 participated. The cooperation with the teachers was very successful and helped the group of GEFAS STEIERMARK to build up the contact with the pupils and create an open environment.

The topic of the Intergenerational Talks was chosen in agreement with the 4 classroom teachers: professions, jobs and careers. More precisely, in mixed groups of students and members of GEFAS STEIERMARK, the participants worked out definitions of different professions, what the tasks and duties would be and what qualifications are needed. The experiences of the seniors should support the young people with the career decision making and encourage them in their choice. During the first session getting to know each other and small exercises were in the focus. During the second session the expectations and wishes of the students were central. We also build bridges between the youngsters and the older generation.

About the outcomes of the project we can sum up, that the Talks could provide the students with professional terms in different fields and could improve their proficiency in the use of the German language. Even more importantly, they learned to reflect about themselves and their competences and to formulate their wishes and expectations for their future profession. Through the project the young people gained self-confidence and learned how to present themselves professionally in front of unknown people.

We are especially proud of two very close relationships between young and old that evolved during the project. Because we think the Intergenerational Talks were very successful, we don't want to lose the cooperation with the school now and want to continue the work.